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Emotionen werden in diesem Kontext als unbewusste Reaktionen auf die kontinuierlichen Veränderungen des Umfelds beschrieben, deren wiederkehrende qualitative Beurteilung innerhalb des Organismus dazu führt, dass sie unterscheidbar werden, als Gefühle ins Bewusstsein treten und schliesslich benannt werden können. [7] Gefühle bilden zusammen mit weiteren Wahrnehmungsstimuli und deren Verarbeitungsmustern Bildschemata, welche als komplexe, multisensorische Eindrücke einer wiederkehrenden Körper-Umfeld-Interaktion definiert werden. [8]

Auf der Grundlage von gespeicherten Bildschemata können einfache Metaphern gebildet werden, welche darin bestehen, dass zwei Körper-Umfeld-Interaktionsmuster in Bezug zueinander gesetzt werden. [9] Zur Veranschaulichung kann die Verbindung der Erfahrung der physischen Bewegung auf einem Pfad und das Konzept der Zeitlichkeit als einfache Metapher genannt werden, auf der komplexere Metaphern aufbauen, die sich in sprachlichen Wendungen, wie «Der Termin naht heran» oder «Etwas auf sich zukommen lassen» manifestieren. [10] Mit den beschriebenen Beispielen wird deutlich, wie den Konzepten der Sprache und den damit verbundenen Möglichkeiten, Gedanken zu formulieren, körperliche Erfahrungen zugrunde liegen.

Das Denken in abstrakten Zeichensystemen wird damit von der kognitiven Linguistik als direkt abhängig von der körperlichen Erfahrung, des Zur-Welt-seins [11] im Sinne von Maurice Merleau-Ponty, verstanden. Die Vorstellung des kritischen Denkens als einer wissenschaftlichen Methode, die unabhängig von einem körperlichen Bezug, und deshalb ohne Emotionalität, also ohne Entscheidungen ausserhalb des Bewusstseins auskommt, wird dadurch in Frage gestellt. Vielmehr erweist sich der Zusammenhang von sensomotorischem Apparat, Entscheidungen auf der Ebene der Emotion und dem Denken in sprachlicher Form als so verflochten, dass die Vorgänge kaum isoliert werden können.

Da die genannten kognitionswissenschaftlichen Untersuchungen aus einer linguistischen Fragstellung heraus interpretiert wurden, bleibt die Frage offen, wie die beschriebenen Formen des Denkens im Entwurf von Bildern manifest werden und wie sich unbewusste Kategorisierung und sprachliches Denken in diesen Prozessen zueinander verhalten.

Die kognitionswissenschaftlichen Grundlagen sind für die Entwurfsforschung deshalb von zentraler Bedeutung, weil angenommen werden kann, dass die Herstellung von Bildern, im Speziellen der Zeichnung, als Spur einer körperlichen Bewegung viel direkter von der physischen Konstitution abhängt, als dies in den Strukturen der Sprache nachvollziehbar ist.

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