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Beide Territorien teilen als liminale Räume der damals bekannten Welt auch die Tendenz, in der beschreibenden Wahrnehmung der Geographen jener Zeit zu Heimstätten für phantastische und halbmythische Geschöpfe wie den uns beschäftigenden Greifen zu werden.

Möglicherweise hat sich der Tierzeichner des Papyrus-Artemidorus bei der Darstellung jener ‹indisch-äthiopischen Fauna› teilweise sogar auf eigene Autopsie stützen können. [12] Gelegenheit dafür hätte sich etwa im Jahr 20 v. Chr. geboten, als eine indische Delegation mit Tieren des Subkontinents im Schlepptau auf ihrem Weg zu Kaiser Augustus auch in Alexandria Station machte. [13] Zweifellos nicht auf Autopsie zurückgehen können aber natürlich die Zeichnungen von Fabeltieren im Papyrus Artemidorus, auch wenn diese nach damaliger Meinung durchaus als real gegolten haben. [14] Sie sind genuine künstlerische Schöpfungen des Zeichners. Die Motivgeschichte einer dieser Darstellungen soll im Folgenden im Mittelpunkt des Interesses stehen (Abb. 2).

Es handelt sich um die Zeichnung eines Greifen, der in seinen Klauen einen Leoparden davonträgt.

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