>>
[29]

Vgl. Kemp, Zeichenunterricht (Anm. 7), S. 19.

[30]

Baldesar Castiglione, Das Buch vom Hofmann, übs. v. Fritz Baumgart, München 1986, I, xxvi, S. 53.

 

An Scheiners Erfindung zeigt sich überdies der Zusammenhang von optischem Instrument und Zeichenhilfe, wenn nämlich der Kapuziner Chérubin d’Orléans (François Lasséré; 1613–1697) in seiner Dioptrique oculaire (1671) eine Kombination aus Teleskop und Panthograph vorstellt, mit der nicht nur Landschaften, Städte und antike Architektur, sondern die optisch vergrößerte Oberfläche des Mondes in allen Einzelheiten abgezeichnet werden könne [Abb. 5]. [28]

Der Eingang der Perspektivinstrumente in den Diskurs der empirischen Naturphilosophie war vorbereitet durch die Rolle von Kunstverstand und Kunstfertigkeit im höfischen self-fashioning, wie sie prominent in Baldassare Castigliones (1478–1529) Cortegiano (1528) formuliert ist. Zeichnen als eine dem Adel angemessene weil nicht beschwerliche Beschäftigung fand in den Perspektivinstrumenten ― zumindest der Theorie nach ― eine optimale Ergänzung oder gar Vollendung. [29] Die Vorstellung eines blossen mechanischen Nachzeichnens des Gesehenen lief konform mit dem Verhaltensideal der sprezzatura, jener kunstvollen Lässigkeit, die den Anschein erwecken sollte, dass das, «was man tut oder sagt, anscheinend mühelos und fast ohne Nachdenken zustandegekommen ist.» [30]

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