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Drittens stellen die Medien des Bewegtbildes eine Reaktion auf die kaum zu lösende Bestimmbarkeit der Ökonomie dar, indem sie die Abhängigkeit moderner Ökonomien von einem heterogenen Ensemble von sowohl wissenschaftlichen als auch nicht-wissenschaftlichen, von selbst- und fremdreferenziellen Repräsentationen der Ökonomie unterstreichen. Die, wie man formulieren könnte, «Bewegtbilder der Ökonomie» forcieren und supplementieren die Pluralisierung des ökonomischen Diskurses und der ökonomischen Wissensproduktion, die in angloamerikanischen Ansätzen bereits seit einiger Zeit unter dem Forschungsprogramm einer «cultural economy» oder «imaginative economics» verhandelt wird. Sie lassen sich als die spezifisch bildbezogene Artikulation ökonomischer Praktiken verstehen, die somit nicht nur als deren Repräsentationen in Erscheinung treten, sondern immer zugleich an der Hervorbringung dessen beteiligt sind, was sie darstellen.

III.

Die Beiträge des Themenhefts stellen sich dem Versuch, angesichts einer intransparenten und überkomplexen Ökonomie über die ästhetischen und epistemologischen Kompetenzen des filmischen Bewegtbildes in unterschiedlichen medialen Umgebungen zu spekulieren. Sie alle verbindet die Annahme, dass ihre mediale und strukturelle Beschaffenheit das filmische Bewegtbild als einen paradigmatischen Verhandlungsort qualifiziert, die gleichzeitige Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit der modernen Ökonomie, seiner monetären Finanzströme und Geldflüsse visuell, nämlich in Film, Fernsehen und Internet, zu erschliessen.

Der Beitrag von Arndt Niebisch widmet sich dem Filmessay Inflation des Filmemachers und Dadaisten Hans Richter. Während Richter die Finanzökonomie in seinem Experimentalfilm Die Börse als Barometer der Wirtschaftslage (CH 1939) mehr als eine Dekade später noch einmal zum Gegenstand einer filmischen Reflexion machen wird, und zwar als Auftragsarbeit für die Züricher Börse mit dem erklärten Anliegen, der Schweizer Bevölkerung den Handel mit Aktien als einen wichtigen Bestandteil der Wirtschaft nahezubringen, trägt der 1928 entstandene Kurzfilm Inflation noch deutlich kapitalismuskritische Züge. In Niebischs luzider Diskussion dieses avantgardistischen Experimentalfilms werden dabei nicht nur Diskursinterferenzen zwischen einer dadaistischen «Ökonomie des Nichts» und der Vernichtung von Geldwert in der Hyperinflation am Vorabend der Weltwirtschaftskrise herausgearbeitet.

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