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Darüber hinaus wird Richters Filmessay in einer vergleichenden Lektüre von Hans Ostwalds Sittengeschichte der Inflation (1931) in den historischen und kulturellen Kontext seiner Zeit gestellt und auf diese Weise demonstriert, wie stark der Einfluss des Dadaismus auf die Wahrnehmung und Beobachtung der ökonomischen Krise in den 1920er Jahren war.

Eine mit der Inflation eng verwandte und nicht weniger bedrohliche Artikulation einer ökonomischen Dysfunktion stellt Falschgeld dar, dessen filmische Bearbeitung im Mittelpunkt des Beitrags von Sulgi Lie steht. Am Beispiel von William Friedkins Hollywoodfilm To Live and Die in L.A. (USA 1985) weist Lie Falschgeld nicht einfach als ein beliebiges filmisches Sujet neben anderen aus, sondern nimmt die mediale Verfasstheit von Film zum Anlass, das filmische Bild per se als Fälschungskunst zu qualifizieren. Der Hollywoodfilm ist dabei nur der vielleicht konsequenteste Ausdruck einer massgeblich durch Spezialeffekte stimulierten «Ästhetik der Fälschung«. Ausgehend von der strukturellen Analogie zwischen Falschgeld und filmischer Fälschungskunst analysiert Lie Friedkins Film als allegorische Figuration einer monetären Logik des Spätkapitalismus, in der die Differenz von echtem und falschem Geld bis zur Ununterscheidbarkeit unterlaufen wird. Denn Falschgeld, so die von Lie treffend entfaltete Paradoxie, ist wahr und falsch, weil der (Geld)Schein buchstäblich trügen kann und im Tausch ein Geldwert trotz fehlender Deckung realisiert wird.

Um «falsches», weil in der Schattenökonomie des Drogenhandels illegal akkumuliertes Geld, geht es auch in dem Beitrag von Michaela Wünsch, die sich mit Repräsentationen von Bargeld zwischen Ding, Bild und Medium in der US-amerikanischen Fernsehserie Breaking Bad beschäftigt. Dass Geld nicht nur Fragen seiner Darstellbarkeit, sondern auch seiner Materialität und Dinghaftigkeit aufwirft, dürfte allein schon mit Blick auf die spezifischen Konditionen, zu denen Geld, nämlich als Bargeld, in der Drogenökonomie verfügbar gehalten werden muss, wohl unmittelbar einleuchten. Indem Wünsch Geld zu jener Gruppe von Dingen zählt, von deren Darstellung Breaking Bad schier besessen zu sein scheint, macht sie indes deutlich, dass es hier um weit mehr geht: nämlich um einen grundbegrifflichen Einsatz in der Frage, ob es sich bei der Darstellung von Geld um ein Ding oder um ein Bild handelt. Mit Jean-Luc Nancy votiert Wünsch dabei für eine Zwischenstellung von Geld zwischen Bild und Ding: Es ist einerseits ein visuelles Objekt, mit eigener Materialität und Masse, das im Fernsehbild abgebildet wird; aber es ist andererseits auch mehr als nur ein abgebildetes Ding, nämlich ein Bild, insofern man Nancy darin folgt, dass ein Bild für die Intensivierung der Dinge steht. Geld ist als Zeichen für etwas anderes gleichzeitig auch die Intensivierung dieses anderen. Und genau darin, so Wünsch, ist es eben auch: ein Bild.

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